Zeugniscodes – Mythen, Missverständnisse und Realität

Wie viel Geheimsprache steckt wirklich in einem Arbeitszeugnis?

Seit Jahrzehnten ranken sich Gerüchte um „versteckte Botschaften“ in Arbeitszeugnissen. Von „war stets bemüht“ bis „im Großen und Ganzen zufrieden“ – vieles klingt freundlich, meint aber angeblich das Gegenteil. Doch wie viel davon stimmt noch?

1. Die Entstehung der Codes

Zeugniscodes entstanden ursprünglich aus rechtlicher Notwendigkeit: Arbeitgeber mussten negative Urteile verschleiern, weil das Wohlwollensgebot es verbietet, offen zu kritisieren. So wurde aus Ironie eine Sprache. Doch die Zeit dieser „Geheimzeichen“ ist weitgehend vorbei.

Heute gilt: Ein professionelles Arbeitszeugnis ist klar, transparent und fair. Versteckte Hinweise gehören der Vergangenheit an.

2. Warum alte Codes heute schaden

Formulierungen wie

„war stets bemüht“ oder „zeigte Interesse an seiner Arbeit“ werden von geübten Lesern sofort erkannt und wirken rückwärtsgewandt, unmodern und unprofessionell.

Wer heute so schreibt, signalisiert vor allem eines: Mangelndes Sprachbewusstsein und Inkompetenz. Und wer so liest, läuft Gefahr, zu viel hineinzuinterpretieren.

3. Zwischen juristischer Pflicht und sprachlicher Verantwortung

Das Wohlwollensgebot verpflichtet Arbeitgeber zu positiver, aber wahrer Formulierung. Das bedeutet nicht, Schwächen zu verschweigen, sondern sie sprachlich fair zu gestalten. Ein modernes Zeugnis kann differenziert sein, ohne zu verletzen.

Wir halten nichts von doppelbödigen Botschaften. Ein gutes Zeugnis spricht Klartext – mit Respekt.

Fazit

Zeugniscodes sind ein Stück Vergangenheit. Was bleibt, ist die Verantwortung, Sprache so einzusetzen, dass sie Leistung, Persönlichkeit und Zusammenarbeit ehrlich widerspiegelt.

Ein gutes Zeugnis braucht keine Geheimzeichen, sondern Augenmaß, Erfahrung und die richtige Wortwahl.