Was ein gutes Arbeitszeugnis heute ausmacht

Zwischen Recht, Sprache und Wirkung

Ein Arbeitszeugnis ist kein Formulartext – es ist ein Kommunikationsinstrument. Es soll objektiv bewerten, wohlwollend formulieren und zugleich für Dritte verständlich sein. Doch was bedeutet das konkret? Und was unterscheidet ein gutes Zeugnis von einem nur „korrekten“?

1. Rechtlich korrekt heißt noch lange nicht lesbar

Das deutsche Arbeitsrecht (§ 109 GewO) verpflichtet Arbeitgeber, Zeugnisse „wahr“ und „wohlwollend“ zu formulieren. Viele verstehen das als Pflicht zur Vorsicht – wir sehen darin eine Einladung zu Präzision.
Ein gutes Zeugnis muss juristisch belastbar sein, darf aber trotzdem sprachlich Charakter zeigen.

Denn ein Text, der nur auf Paragrafen Rücksicht nimmt, sagt wenig über den Menschen aus, um den es geht. Ein Zeugnis sollte klar, verständlich und nachvollziehbar formuliert sein, ohne Floskeln und ohne unnötige Codes.

2. Zwischen Formalität und Persönlichkeit

Ein gutes Arbeitszeugnis beschreibt nicht nur, was jemand getan hat, sondern wie. Leistungsbereitschaft, Befähigung, Fachwissen, Arbeitsweise, Ergebnisse und Sozialverhalten müssen differenziert, aber glaubwürdig dargestellt werden.

Der entscheidende Unterschied liegt in der sprachlichen Umsetzung: Standardformulierungen erzeugen Distanz. Individuelle, sorgfältig gewählte Formulierungen zeigen Respekt und Aufmerksamkeit.

Sprache entscheidet darüber, ob ein Zeugnis gelesen oder nur abgeheftet wird.

3. Warum gute Zeugnisse Arbeit erfordern

Zeugniserstellung ist Teamarbeit. Die Führungskraft kennt die Leistung, die Zeugnisautor:innen die Sprache. Wenn beide Perspektiven zusammenkommen, juristisch, sprachlich und menschlich, entsteht Qualität.

Automatisch generierte Zeugnisse mögen Zeit sparen, aber sie verlieren, was wirklich zählt: Bedeutung.

Wer sich die Mühe macht, Leistungen differenziert zu beschreiben, schafft Glaubwürdigkeit und das ist das Wertvollste, was ein Zeugnis leisten kann.

Fazit

Ein gutes Arbeitszeugnis wird nicht nur rechtlichen Standards gerecht.
Es erzählt von Verantwortung, Engagement und Wirkung – präzise, fair und mit echtem Interesse am Menschen. Alles andere wäre lediglich Textverwaltung.

Hinweis:

Unsere Aussagen stellen keine Rechtsberatung dar, sondern spiegeln unsere praktische Erfahrung und berufliche Auffassung als Zeugnis-Ghostwriter wider. Für verbindliche juristische Auskünfte wenden Sie sich bitte an eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.