
Arbeitszeugnis-Beispiele
Warum Beispiele beim Thema Arbeitszeugnis so wertvoll sind
Sie zeigen, wie juristische Vorgaben, emotionale Wahrnehmung und sprachliche Eleganz zusammenwirken.
Deshalb verstehen wir Zeugnisbeispiele nicht als Vorlagen, sondern als Einladung zum Verständnis:
Was sagt ein bestimmter Ausdruck wirklich aus?
Wie liest eine Personalabteilung diese Formulierung?
Und welche Wirkung entfaltet sie im Bewerbungsgespräch?
Ein Beispiel ersetzt keine Analyse, aber es öffnet den Blick für das, was zwischen den Zeilen geschieht.
Beispiel 1 – Außendienstmitarbeiterin (Note 1–2)
Frau M. überzeugt durch überdurchschnittliches Engagement, ein hohes Maß an Eigeninitiative und eine sehr strukturierte Arbeitsweise.
Sie plant ihre Kundentermine sorgfältig, bereitet sich individuell vor und erzielt konstant hervorragende Ergebnisse.
Ihr freundliches, verbindliches Auftreten und ihre ausgeprägte Kommunikationsstärke tragen wesentlich zu unserem positiven Unternehmensimage bei.
Wir schätzen Frau M. als äußerst zuverlässige, verantwortungsbewusste und motivierte Mitarbeiterin, die stets zu unserer vollsten Zufriedenheit arbeitet.
Interpretation:
Dieses Beispiel steht für eine Bewertung im Bereich sehr gut bis gut (Note 1–2).
Die Kombination aus „überdurchschnittlich“, „stets“ und „vollsten Zufriedenheit“ signalisiert ein klares Top-Ergebnis.
Der Text wirkt positiv und glaubwürdig – ein authentisches, aber nicht überhöhtes Leistungsbild.
Beispiel 2 – Business Development Manager (Note 2–3)
Herr K. arbeitet engagiert und zielstrebig.
Er verfügt über ein gutes Fachwissen und wendet dieses bei der Umsetzung seiner Aufgaben erfolgreich an.
Seine Vorgehensweise ist planvoll und effizient.
Mit seinem freundlichen Wesen trägt er zu einem harmonischen Miteinander bei.
Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllt er stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
Interpretation:
Hier zeigt sich eine solide Note 2–3.
Der Text ist freundlich und respektvoll, doch Begriffe wie „gutes Fachwissen“ oder „volle Zufriedenheit“ deuten auf eine etwas zurückhaltendere Bewertung.
Das Zeugnis bleibt positiv, vermeidet aber Superlative – es beschreibt Leistungsstärke, ohne sie zu überhöhen.
Beispiel 3 – Projektkoordinatorin (Note 3–4)
Frau S. zeigte Interesse an ihren Aufgaben und bemühte sich, diese zuverlässig zu erledigen.
In Phasen höherer Belastung stieß sie gelegentlich an ihre Grenzen, suchte jedoch stets nach praktikablen Lösungen.
Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kolleginnen war insgesamt einwandfrei.
Frau S. verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch, wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.*
Interpretation:
Dieses Beispiel zeigt typische Formulierungen für eine befriedigende bis ausreichende Leistung (Note 3–4).
Wörter wie „bemühte sich“ oder „insgesamt einwandfrei“ sind in der Zeugnissprache Warnsignale:
Sie klingen höflich, stehen aber für deutliche Einschränkungen.
Solche Passagen sind juristisch korrekt – aber in der Wirkung kritisch.
Wie sich Notenstufen sprachlich unterscheiden
| Bewertung | Beispielhafte Formulierung | Wirkung |
| Sehr gut (1) | „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ | Herausragende Leistung, konstant überdurchschnittlich |
| Gut (2) | „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ | Deutlich positiv |
| Befriedigend (3) | „zu unserer vollen Zufriedenheit“ | Durchschnittliche Leistung |
| Ausreichend (4) | zu unserer Zufriedenheit | Eingeschränkt positiv, kritisch |
| Mangelhaft (5) | „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ | Unzureichend, höflich formuliert |
| Mangelhaft (5) | „bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden“ | Unzureichend, ironisch negativ |
Zwischen „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ und „zu unserer Zufriedenheit“ liegt kein sprachliches Detail – sondern drei ganze Leistungsgrade.

Was gute Zeugnisbeispiele gemeinsam haben
Jedes gute Zeugnis – unabhängig von der Note – hat drei Merkmale:
Es ist klar, konsistent und respektvoll.
Professionell formulierte Zeugnisse:
- vermeiden Widersprüche,
- halten die Reihenfolge von Leistung, Verhalten und Schlussformel ein,
- und klingen glaubwürdig – nie übertrieben, nie distanziert.
Die Kunst eines guten Zeugnisses liegt nicht im Wording einzelner Sätze, sondern im Ton, der zwischen ihnen entsteht.
Wie Sie Ihr eigenes Zeugnis prüfen (oder überarbeiten) lassen können
Beispiele sind Orientierung – die eigentliche Bedeutung entsteht erst durch Analyse. Denn kein Fall gleicht dem anderen. Ein Zeugnis für eine Führungskraft folgt anderen Sprachmustern als eines für eine Fachkraft oder Assistenzrolle.
Wenn Sie wissen möchten, wie Ihr Zeugnis wirkt, unterstützen wir Sie mit einer fundierten Analyse und klaren Verbesserungsvorschlägen.
